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SPD-Bundestagsabgeordneter der 16. Legislaturperiode

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Reden vor dem Deutschen Bundestag

Nachwuchsförderung beginnt im Kindergarten

Jürgen Kucharczyk, MdB am Rednerpult des Bundestages
Jürgen Kucharczyk, MdB.
In seiner 19. Rede vor dem Deutschen Bundestag am 06. Mai 2009 unterstrich der bergische Bundestagsabgeordnete Jürgen Kucharczyk, dass für die SPD Spitzenleistungen an Universitäten und frühkindliche Bildung untrennbar zusammen gehörten. Durch den 'Hochschulpakt II' werden in den Jahren 2011 bis 2015 275.400 zusätzliche Studienplätze geschaffen. "Ich wünsche mir, dass die Vergabe dieser Plätze weniger als heute mit der sozialen Herkunft der jungen Menschen zu tun hat." Das Kinderförderungsgesetz sei ein wichtiger Baustein, um Bildungsbenachteiligung unter Kindern zu verringern.


Anmerkung:
Zu diesem Tagesordnungspunkt fand keine Aussprache im Plenum statt, daher wurden die Reden der Abgeordneten zu Protokoll gegeben. Anbei veröffentlichen wir den Text der Rede:

19. Rede (ZP TOP 13)
im Deutschen Bundestag am 06. Mai 2009
BE und Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung zum Antrag FDP "Solide Grundlagen für Hochschulpakt"


Es gilt das gesprochene Wort


Sehr geehrte Frau Präsidentin, Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

elf deutsche Wissenschaftler bekamen kürzlich den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis, den höchstdotierten deutschen Förderpreis für die Besten der Besten. Für ihre herausragende Forschung.

Spiegel-Online stellte den Forschern eine Frage, die auch uns im Deutschen Bundestag heute zusammenbringt. Die Frage nämlich, welche Bedingungen brauchen Wissenschaftler, um Spitzenleistungen zu erbringen?

Die Oppositionsanträge zur Hochschul-, Wissenschafts- und Forschungspolitik, die wir heute beraten, enthalten Antworten. Viele der Forderungen werden durch die Ergebnisse der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz zur Trias aus Hochschulpakt II, Exzellenzinitiative sowie Pakt für Forschung und Innovation überflüssig. Bei der konkreten Umsetzung und vor allem Finanzierung kommt es in den Zeiten der Krise darauf an, Prioritäten zu setzen. Die SPD setzt ganz klar den Hochschulpakt II auf die Pole Position. Warum?

Für Spitzenleistungen braucht es zuerst junge Menschen, die überhaupt bereit sind, ein Studium aufzunehmen. Der Staat stellt in der Folge und als Ergebnis der Hochschulpakte die Bedingungen her, dass jeder, der ernsthaft studieren möchte, dazu auch die Möglichkeit erhält. Die zusätzlichen 275.400 Studienanfängerplätze in den Jahren 2011 bis 2015 sind daher außerordentlich zu begrüßen. Und ich wünsche mir, dass die Vergabe dieser Plätze weniger als heute mit der sozialen Herkunft der jungen Menschen zu tun hat. Spitzenleistungen an Universitäten und frühkindliche Bildung gehören untrennbar zusammen.

Leibniz-Preisträger Arnim Falk, der sich auf dem Gebiet der Wirtschaftsforschung verdient gemacht hat, unterstützt diese Forderung und antwortet auf die eingangs erwähnte Frage wie folgt. Ich zitiere: „Frühe Erfahrungen formen die Grundlage für die Leistungsfähigkeit im Erwachsenenalter, kognitiv, sozial und emotional. Frühkindliche Förderung ist deshalb die beste Waffe gegen Arbeitslosigkeit und gesellschaftliche Spaltung.“ Kurzum: Wer verantwortliche und effiziente Bildungspolitik betreiben möchte, der muss die frühkindliche Bildung massiv verstärken. Genau das ist Ansatz der SPD-Bundestagsfraktion, meine sehr geehrten Damen und Herren.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal unser Kinderförderungsgesetz lobend erwähnen. Die insgesamt 12 Milliarden Euro, die der Bund für diese Zukunftsaufgabe zur Verfügung stellt, sind gut investiertes Geld. Das KiföG ist ein wichtiger Baustein, um die Bildungsbenachteiligung von Kindern zu verringern. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund und aus benachteiligten Familien ist ein frühes pädagogisches Angebot äußerst wichtig.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Nachwuchsförderung beginnt im Kindergarten. Die Initiative "Haus der kleinen Forscher" begeistert Kinder für Themen aus Naturwissenschaften und Technik. Frühkindliche Bildung ist nach Auffassung der SPD-Bundestagsfraktion kostenfrei; gleiches sollte für ein Erststudium gelten.
Der Girls´Day bringt Mädchen die sogenannten MINT-Fächer - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – nahe. Frauen in Forschung und Lehre zu fördern, auch als Beitrag zur Qualitätsentwicklung, das ist unser Ansatz. Auf das Potential von Frauen können wir bei prognostizierten 330.000 fehlenden Akademikerinnen und Akademikern im Jahr 2013 nicht verzichten.

Sehr geehrte Damen und Herren,
um die Eingangsfrage noch einmal aufzugreifen: Spitzenleistungen werden möglich, wenn wir uns gerade auch in Krisenzeiten zu Bildungs- und Forschungsvorhaben bekennen, die finanziell abgesichert, eine qualitative Weiterentwicklung und vor allem im Sinne der heutigen und zukünftigen Studierenden sind. Einen Misserfolg können wir uns nicht leisten, schließlich steht Deutschlands Zukunftsfähigkeit auf dem Spiel.

Herzlichen Dank!