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SPD-Bundestagsabgeordneter der 16. Legislaturperiode

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Reden im Deutschen Bundestag

Rede zum Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Medienkompetenz Älterer stärken – Die digitale Kluft schließen“

Zu Besuch beim Solinger Solinger Seniorenbeirat im Juni 2007.
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,


sich der sogenannten Neuen Medien zu bedienen ist für die meisten Mitbürgerinnen und Mitbürger selbstverständlich – ob im Bereich der Arbeit, in der Freizeit und auch für den alltäglichen Kontakt zu Freunden und Familie.

Ältere Menschen sind nicht zwangsläufig auf den Gebrauch von Handys und Computern angewiesen. Dass diese für sie trotz allem eine Erleichterung des Alltags darstellen können, ist Senioren nicht immer bewusst.

Denn über die Webcam oder via Emails mit den Enkeln in Kontakt zu bleiben oder per Mausklick seine Bankgeschäfte zu tätigen, davon profitieren insbesondere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind und ihre Wohnung nur selten verlassen können.

Dies bestätigt auch eine Umfrage des Hightech-Verbands BITKOM unter Email-Nutzern ab 65 Jahren: 98 Prozent der Senioren mit Email-Zugang sagen, die elektronische Post erhöhe ihre Lebensqualität und 96 Prozent fühlen sich dadurch flexibler. Diese Werte sind so hoch wie in keiner anderen Altersgruppe.

Allerdings sind immer noch 81 Prozent der Deutschen ab 65 Jahren nicht am Netz.

Unsere Aufgabe ist es, für einen chancengerechten Zugang zu sorgen. Der Abbau altersspezifischer Barrieren ist die Voraussetzung für einen Zugang zum lebenslangen Lernen auch für Ältere.

Die Neuen Medien können ebenso eine Brücke zwischen den Generationen bilden: Nicht nur Junge lernen von den Alten, auch ältere Menschen können von den Kenntnissen der jüngeren Generation profitieren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte Ihnen das an einem Beispiel aus meinem Wahlkreis – genauer: aus der Stadt Solingen - verdeutlichen.

Der dortige Jugendstadtrat hat ein Projekt ins Leben gerufen, in dem Jugendliche älteren Menschen die Funktion und Bedienung von Handys erklären – ganz praxisnah und face-to-face.

In angenehmer Atmosphäre, bei Kaffee und Kuchen, ohne Leistungsdruck, lernen sie den Umgang mit einem heutzutage selbstverständlichen Gebrauchsgegenstand. Aus einem Buch mit sieben Siegeln wird Verständnis für die Technik von heute.

Solche und ähnliche Projekte gibt es mittlerweile in vielen Städten. Sie sind ein freiwilliges Angebot an all jene, die entweder die Notwendigkeit für sich sehen, sich mit den neuen technischen Errungenschaften zu beschäftigen oder einfach Spaß an der neuen Technik, den Medien haben.

Für junge Menschen ist die Erfahrung wichtig und interessant, dass auch sie von der älteren Generation gebraucht werden.

Dies ist nur ein kleiner Beitrag zum gegenseitigen Verständnis zwischen Jung und Alt, der allerdings nicht zu unterschätzen ist.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Eines ist klar: Die Senioren haben mit den neuen Medien eine größere Freiheit, selbst zu bestimmen, ob, wie und wofür sie lernen.

Der Breitbandausbau, den die Bundesregierung im Konjunkturpaket II verabredet hat, ist ein wichtiger Schritt, die Teilhabe an der Lebenswelt voran zu treiben.

Ältere Menschen haben ebenso ein Anrecht auf Anschluss an das Wissen der Menschheit. Die Voraussetzung dafür schaffen wir mit dem Breitbandausbau in allen bislang nicht versorgten Gebieten bis spätestens Ende 2010.

Gemeinsam mit den Volkshochschulen in den Kommunen, mit Initiativen wie „Senioren ans Netz“ unterstützt die Bundesregierung eine Reihe Bemühungen, ältere Menschen gezielt mit den neuen Medien in Berührung zu bringen.

Programme wie das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser eignen sich sehr gut für die Heranführung Älterer an die neuen Kommunikationstechniken.

In Kursen, Seminaren und Workshops wird die Medienkompetenz Älterer gestärkt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist gut gemeint. Er impliziert aber, dass sich älteren Menschen ohne Medienkompetenz kein erfülltes Leben bietet. Diesen Standpunkt lehne ich entschieden ab.

Wir unterstützen gute Angebote auf freiwilliger Basis.

Mein Fazit ist: Wir sind damit auf dem richtigen Weg.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!